Was für ein Ereignis! Schon lange vor der Reise begann ich mit der Planung der Aufnahmetechnik und dem Buchen von Flügen und Hotels. Zum einen ist das sehr wichtig, damit man auch noch eine der wenigen Unterkünfte im Bereich der Totalitätszone bekommt – zum anderen konnte ich ein Phänomen beobachten: Viele Unterkünfte hatten kurzfristig wieder Zimmer frei! Das lag vermutlich an den Mehrfachbuchungen der Eclipsechaser, die sich dann doch irgendwann entschieden haben.
Wir wollten aus Argentinien beobachten und hatten unser Hotel in San Jose de Jachal gebucht. Es waren „nur“ ca 70 km zum bevorzugten Beobachtungsort in der Nähe von Bella Vista, mitten in der Atacamawüste.


Die Anfahrt bis nach Rodeo führte über Serpentinen und mehr oder weniger breite Straßen. Besonders für den Beifahrer ergaben sich „tiefreichende“ Einblicke…
Angekommen am Beobachtungsort, nach guten zwei Stunden,  konnten wir einen großartigen Blick auf die Anden genießen.


Wir waren auf ca 1950 Höhenmetern und begannen mit dem Aufbau der Ausrüstungen. Ich hatte insgesamt 8 Kameras und 2 Datenlogger für Temperatur und Luminanz vorbereitet. Natürlich war auch wieder unsere Vereinsfahne mit – und lockte tatsächlich Besucher an.

Auf diesem Stativ waren die beiden Datenlogger, zwei GoPro-Kameras für den rückwärtigen Bereich, einer GoPro-Kamera für den Blick auf die Anden und oben drauf eine 360-Grad Kamera (Ricoh Theta Z1).

Die H-Alphabeobachtung startete ich zuerst rein visuell durch das Coronado SMT 60-10 und ersetzte das Okular später durch eine DMK41-Videokamera. Nachgeführt wurde das Instrument von der Skywatcher Solar Quest, die sich hier eindeutig bewährt hat!

Das lockte natürlich viele Neugierige an und es wurde reichlich beobachtet und der Bildschirm abfotografiert.

Zu den geplanten Versuchen gehörten auch diverse Spiele mit den vorbereiteten Schablonen. Hier einmal ein großes Dankeschön an meinen Freund Carsten Lucht der mir, nicht zum ersten mal, die Kunststoffplatten nach meinen Vorstellungen professionell anfertigte.

Beim genaueren Betrachten fiel auf, dass jedes gebohrte Loch eine teilbedeckte Sonne abbildete.

Auch mit der Schaumkelle ließen sich viele kleine Halbmonde darstellen…

Je näher die Totalität kam, umso voller wurde der Platz. Viele Eclipsetouristen kamen mit der ganzen Familie. Die Argentiner waren ein wirklich herzliches Volk! Wir teilten Finsternisbrillen aus und erklärten so gut wir konnten (die meisten sprachen dort ausschließlich spanisch). Dafür wurden wir mit selbstgebackenem Kuchen und leuchtenden Kinderaugen belohnt. Es war eine absolut herzliche Atmosphäre.

Kurz vor dem zweiten Kontakt hatte ich noch die Schatten des Busches aufgenommen.


Letzte Versuche mit verkreuzten Fingern, sogar der Schatten der Datenloggerstation zeigte Halbmonde.

Die Aufnahmen im Weißlicht machte ich mit Der Canon EOS 7D Mk 2, 2-fach Extender, 100-400mm Teleobjektiv bei 400mm und ND5-Sonnenfilter – gebaut von Carsten Lucht (nochmals Danke!). Da ich die Kamera auf stehendem Stativ ohne Nachführung benutzte, wanderte die Sonne ein wenig auf den Bildern.


Unmittelbar vor der Totalität hatte ich dann den Telekonverter rausgenommen und ein letztes Bild im Weißlicht von der schmalen Sonnensichel gemacht.
Die folgenden Aufnahmen wurden automatisch durch die Software Eclipse Orchestrator, GPS-genau ausgelöst.

Hier sieht man den sogannten Diamantring, der immer kleiner wird und schließlich in das Perlschnurphänomen über geht.

Jetzt befanden wir uns in der Totalität, eine Vielzahl von unterschiedlich belichteten Aufnahmen wurden automatisch aufgenommen um später daraus eine Hochdynamikaufnahme (HDR) zu fertigen.

Je länger eine Aufnahme belichtet wurde, umso mehr der äußeren Korona wurde sichtbar. Dafür gingen feine Details, wie z.B. Protuberanzen, verloren. Bei ganz lange belichteten Bildern war der sogenannte Erdschein, der von der Erde reflektiertes Sonnenlicht auf der der Sonne abgewandten Mondseite beleuchtete, zu erkennen.

Addiert man die ganzen Aufnahmen am PC, kann man die unterschiedlichen Details in einem Bild darstellen. Die 2 1/2 Minuten der Totalität waren schnell vorbei und schon begann das gleiche Schauspiel – nur umgekehrt.

Mit der Ricoh Theta Z1 zeichnete ich die Totalität in einem Video auf. Benutzt man ein geeignetes Tool, z.B. die Youtube-App, kann man praktisch dabei sein und alles erneut miterleben. Man kann jederzeit in die gewünschte Perspektive wechseln.

Im Detail kann man sich die Totalität (mit nicht so großem Dynamikumfang) im Video von der Sony Alpha 6000 mit SEL 70-300 ansehen. Da die Kamera fest auf dem Stativ, ohne Nachführung, betrieben wurde, wandert die Sonne nach links unten.

Zusätzlich hatte ich noch eine GoPro für den rückwärtigen Bereich am Start. Diese Kamera zeichnete unmittelbar vor und nach der Totalität ziemlich eindrucksvoll die fliegenden Schatten auf. Man sieht sie deutlich auf dem Boden oberhalb der weißen Flächen.

Während die Automatik mein Skript abarbeitete, hatte ich noch schnell die EOS 5D Mark IV für einige Weitwinkelaufnahmen eingesetzt.

In der Totalität sah man sehr schön den Mondschatten über den Anden, unmittelbar davor und danach erschien die Umgebung in einem „metallischen Licht“.


Die Auswertung der Datenlogger zeigt den Helligkeitsverlauf, und zeitlich versetzt, den Temperaturabfall. Da sich die Finsternis beim Sonnenuntergang ereignete, fallen beide Kurven normal ab und zeigen Kerben bei der Verdunkelung.

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